Weder Seife noch Handtuch, warum Urologen das Urinieren unter der Dusche empfehlen

5. März 2026

Die Debatte über das Urinieren unter der Dusche hat in den letzten Jahren an Fahrt gewonnen. Viele Menschen empfinden es als praktisch, während Experten eine differenzierte Sichtweise einnehmen. Das gleichzeitige Duschen und Urinieren kann nicht nur Zeit sparen, sondern auch bis zu 2.190 Liter Wasser jährlich einsparen, da die Toilettenspülung entfällt. Doch wie sieht es mit der Hygiene und möglichen gesundheitlichen Risiken aus? Urologen warnen, insbesondere Frauen könnten unter dieser Gewohnheit leiden.

Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Entspannung der Beckenbodenmuskulatur. Während Männer im Stehen urinieren, könnte dieser Vorgang bei Frauen zu einem unvollständigen Entleeren der Blase führen, was langfristig Harnwegsinfektionen begünstigen kann. Zudem kann die ständige Hörgewohnheit von fließendem Wasser das Gehirn dazu bringen, bei jedem Geräusch Harndrang zu verspüren – ein Phänomen, das Experten als psychologische Konditionierung beschreiben.

Darüber hinaus birgt das Urinieren unter der Dusche auch Hygiene-Aspekte. Urin kann in der Duschwanne und in den Rohren Ablagerungen verursachen, die unangenehme Gerüche hervorrufen. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, die Dusche regelmäßig zu reinigen. Auch die gesundheitlichen Folgen des häufigen Zurückhaltens von Urin sind nicht zu ignorieren, da dies zu Blasenproblemen führen kann.

Die Vorzüge des Urinierens in der Dusche

Das Urinieren in der Dusche hat durchaus seine Vorteile. Neben der erheblichen Wassereinsparung wird der Intimbereich durch das warme Wasser hygienisch gereinigt. Viele empfinden dies als angenehmer und komfortabler im Vergleich zur Verwendung von Toilettenpapier. Besonders in einem modernen, ökologisch orientierten Lebensstil könnte dies eine praktische Lösung sein.

Gesundheitliche Bedenken und die Rolle der Urologie

Urologen warnen jedoch vor möglichen gesundheitlichen Risiken. Insbesondere für Frauen könnte der Druck auf die Blase und die unzureichende Entspannung der Blase zu Problemen führen. Bei bestehenden Harnwegsinfektionen oder Verletzungen der Haut sollte man auf das Urinieren in der Dusche gänzlich verzichten. Im Gegensatz dazu haben Männer, sofern sie ihre Blase vollständig entleeren können, geringere Bedenken hinsichtlich dieser Praxis.

Psychologische Aspekte des Urinierens

Ein bemerkenswerter psychologischer Aspekt ist die Konditionierung, die durch das Hören von fließendem Wasser entstehen kann. Das denkt auch Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Bundesverbandes der Deutschen Urologen. Viele Menschen entwickeln einen verstärkten Harndrang beim Geräusch des Wassers – selbst wenn die Blase nicht voll ist. Dies kann zu unangenehmen Situationen führen, da man auf Geräusche von Wasser in anderen Kontexten viel empfindlicher reagiert.

Die Bedeutung der Hygiene in der Dusche

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hygiene innerhalb der Dusche. Urin kann ansammeln und zur Bildung von Urinstein führen, was unangenehme Gerüche in der Dusche verursachen kann. Regelmäßiges Spülen und Reinigen der Dusche ist dringend erforderlich, um diesen Problemen vorzubeugen und auf einen hygienischen Zustand zu achten.

Langzeitfolgen des Zurückhaltens von Urin

Auf der anderen Seite ist auch das Zurückhalten von Urin keine ideale Lösung. Dieses Verhalten kann zu gesundheitlichen Problemen führen, wie häufigen Harnwegsinfektionen oder gar Blasenschwäche im Alter. In extremen Fällen kann es zu einer Harnverhaltung kommen, insbesondere wenn die Blasenmuskulatur überlastet wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, den natürlichen Drang des Körpers zu respektieren.

Für viele Menschen bleibt das Urinieren während des Duschens eine kontroverse, jedoch gängige Praxis. Während einige darin eine praktische Lösung sehen, betonen Fachleute die Wichtigkeit von Hygienemaßnahmen und den potenziellen Auswirkungen auf die Gesundheit.